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Joel Schumacher (Batman & Robin, Lost Boys) hat einen neuen Film gedreht - “Nicht Auflegen”. Angeblich hat sich schon Hitchcock für die Idee interessiert, einen Film nur in einer Telefonzelle spielen zu lassen. Doch Hitchcock mit Schuhmacher zu vergleichen - da entpuppt sich der letztere als Crepe.
Stu, wichtigtuerischer PR-Manager, ist zwar mit Kelly verheiratet, will aber bei der jungen Schauspielerin Pam seine Männlichkeit beweisen. Darum sucht er im handyverseuchten neuen Jahrtausend regelmäßig eine altmodische Telefonzelle auf - die Rechnung enttarnt ihn somit nicht. Doch genau dies wird ihm zum Verhängnis. Ein irrer Heckenschütze setzt ihn in der Zelle fest. Er weiß alles über ihn, Kelly, Pam und will nun dessen Geständnis an seine Frau hören, sonst wird er ihn töten. Die Situation eskaliert, als ein Zuhälter vom Heckenschützen erschossen wird und alle Stu für den Täter halten.
Der Film beginnt nicht gerade originell: Satelliten im All, eine Verbindung, dann der typische Flug auf die Erde, nach New York und in ein Handy. Es folgen wilde Zeitraffer-Wackel-Bilder und allerlei neumodischer Schnickschnack, die die Einführungsmontage - ´alle benutzen Telefone´ - gekonnt zunichte macht. Dann, am Ende, führt uns eine Off-Sprecher-Stimme in den Tatort, die Telefonzelle, ein, und liefert noch zahlreiche sinnlose Fakten. Irgendwie erinnert einen das an B-Filme aus den 50er.
Stu, die Hauptperson, ist mäßig sympathisch, zappelig und karrieregeil. Die erste Hälfte des Filmes ist extrem nervig und langatmig, Stus Schicksal läßt einen kalt; Schuhmacher, der immer jedem Trend nachläuft, verprasst sinnlos Geschwindigkeitseffekte und macht es einem damit noch schwerer in den Film einzusteigen. Viele Dialoge und die Handlung auf der Straße mit den Nutten nerven zudem gehörig, so daß man am liebsten die Leinwand mit Popcorn bombadieren möchte.
Das ändert sich erst in den letzten 40 Minuten, da dort die Handlung auf die Zelle beschränkt wird und mehr die Intimität der Situation zur Geltung kommt. Hier erst gelingt es Schuhmacher Stu sympathisch zu machen und die - es-könnte-jedem-passieren Komponente zu betonen. Dies gelingt ihm aber nur dadurch, daß er in der Zelle bleibt und alle Effekte außen vor läßt und die Situation auf Stu, den Schützen und wenig Einfluß von außen beschränkt.
Der Film ist in einem blaustichigem, etwas rauhem Farbton gehalten, um damit den Realitätscharakter hervorzuheben. Kein falscher Zug, denn der Streifen spielt fast in Echtzeit (siehe dazu “”Russian Ark und den dortigen Anhang). Ein nettes Experiment, das das Mainstreamkino zu selten bietet - zudem ist der Killer fast nur zu hören.
Aber das Ende ist wieder mau, denn es läuft auf die absolute Katharsis des Helden hinaus, der sich für alles und jeden entschuldigt und dies vor Kelly, Pam und den laufenden Reporterkameras tut. Was für eine tolle Welt könnte dies sein, wenn jeder so eine Katharsis hätte oder mehr solche Katharsisfilme gedreht würden? Wie würden die Menschen das Schlechte dann einsehen, wenn einer ihnen dies nur sagen würde? Die Tränendrüse läßt grüßen, der gute Mensch in uns erwacht. Unnötig zu sagen, daß seine Frau ihm natürlich verzeiht.
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